Radiokolleg Warum führen Menschen Kriege?
Mo, 16.02. | 9:05-9:30 | Ö1
Wir leben in einer gefährlichen Epoche: Im friedensverwöhnten Europa scheint Krieg – achtzig Jahre nach dem Zusammenbruch des Dritten Reichs – plötzlich wieder eine Option zu werden. Der Beginn der russischen Vollinvasion in der Ukraine im Februar 2022 markiert eine Zeitenwende – mit unabsehbaren Folgen für Europa und die Welt. Aber warum führen Menschen überhaupt Kriege? Lässt sich das unermessliche Leid, das militärische Auseinandersetzungen mit sich bringen, durch politische oder wirtschaftliche Ziele rechtfertigen? Und wie könnte man Kriege und bewaffnete Konflikte vermeiden? Von der Beantwortung dieser Fragen hängt viel ab – für die Menschheit und für jeden Einzelnen von uns.Der Mensch ist die einzige Spezies, die das Töten der eigenen Art systematisch betreibt. Ein Phänomen wie „Krieg“ ist im übrigen Tierreich unbekannt. Woher kommt die Gewaltbereitschaft des „Homo sapiens“? Darüber haben sich Forscher und Philosophen wie Sigmund Freud und Konrad Lorenz, aber auch der Sozialpsychologe Erich Fromm immer wieder den Kopf zerbrochen und sind dabei zu denkbar unterschiedlichen Antworten gekommen.Konrad Lorenz hielt die Gewaltbereitschaft des Menschen für biologisch bedingt, der Nobelpreisträger plädierte dafür, die Aggressionsstrebungen des Homo sapiens durch soziale Reglementierungen in gesellschaftlich nützlichere Bahnen zu lenken. Der Psychoanalytiker Erich Fromm dagegen sah die menschliche Gewaltbereitschaft durch soziale und psychische Faktoren determiniert. Krieg und Gewalt: In Fromms Augen sind sie das Ergebnis gesellschaftlicher Verhältnisse, die grundsätzlich reformier- und verbesserbar sind. Die Gewalttätigkeit des Menschen: Sie ist für Erich Fromm kein Schicksal.Unabhängig von seinen evolutionären Prägungen: Der Mensch hat immer wieder nach Mitteln und Wegen gesucht, den Krieg als Mittel der Konfliktaustragung zu ächten. Mit endenwollendem Erfolg.
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