Spielräume Senza Fine. Abschied von Gino Paoli

Mi, 01.04.  |  17:30-17:55  |  Ö1
Musik aus allen Richtungen. Vielleicht hat sich kein Liedermacher so tief ins musikalische Gedächtnis Italiens eingraviert wie Gino Paoli

Manche Lieder sind so sehr Teil eines Landes, dass sie den Besitzer wechseln. Sie gehören nicht mehr Autor oder Autorin, sondern allen. Das Sommerlied „Sapore di sale“ von Gino Paoli ist so eines. Es ist Teil des Soundtracks von Generationen. Paoli hatte ein untrügliches Gespür dafür, Lieder voller Flair und Gefühl zu schaffen, die man nie wieder vergisst: „La Gatta“, „Il cielo in una stanza“, „Che cosa c’è“ und natürlich der jazzige Walzer „Senza fine“.Mit Gino Paoli ist letzte Woche in Genua der letzte große Liedermacher der „Genueser Schule“ gestorben. Die anderen, allesamt seine engen Jugendfreunde, einige wie er damals Kunststudenten – Fabrizio de André, Luigi Tenco, Umberto Bindi, Bruno Lauzi – sind ihm vorangegangen. Diese Liedermacher haben mit der Entwicklung des Autorenlieds, Ende der ’50er-, Anfang der ’60er-Jahre, Musikgeschichte geschrieben. Paolis überragende Karriere ist nicht ohne die Frauen seines Lebens erklärbar. Es war die legendäre Sängerin Mina, der er seinen ersten großen Hit verdankt. 1955 geschrieben, hat sie erst 1960 „Il cielo in una stanza“ veröffentlicht und sofort an die erste Stelle der Verkauf-Charts katapultiert. 1961 verliebte sich Paoli in die Sängerin Ornella Valoni, die Affaire hielt nicht lange, ihre äußerst fruchtbare künstlerische Verbindung sollte ein Leben lang bestehen bleiben.Eigentlich ging es im Kern fast immer um Liebe in seinen Texten, aber auf eine eigene ambivalente Art und Weise, leicht und tiefgründig zugleich, stets unterströmt von Melancholie. Letzten November ist Ornella Vanoni gestorben, Paoli hat sie mit einem Strauß gelber Rosen verabschiedet. Nun ist er ihr gefolgt. „Senza fine“ hat er für sie komponiert, es war ihr Lied.

in Outlook/iCal importieren