Lebenskunst – Begegnungen am Sonntagmorgen Durch Zeit und Raum

So, 05.04.  |  7:05-8:00  |  Ö1
Interpretationsbedürftiges Hoffnungszeichen – Aspekte der Bibel (Markus 16, 1-8) – mit Bischöfin Cornelia Richter +++ Aus und in der Liebe leben und überleben wir – Der Meister, Margarita und Ostern +++ Neues vom Menschen aus Nazareth – Der historische Jesus und seine Botschaft +++ Erinnern findet nicht nur rückwärtsgewandt statt – Irene Aue-Ben-David und das Jüdische Museum Hohenems

Interpretationsbedürftiges Hoffnungszeichen – Aspekte der Bibel(Markus 16, 1-8) Alle vier kanonischen Evangelien der Bibel – nach Markus, Matthäus, Lukas und Johannes – erzählen übereinstimmend, dass am Sonntagmorgen nach dem Kreuzestod von Jesus dessen Grab leer war. Und dass es Frauen waren, die sich als Erste zum Grab aufgemacht hatten. Gemäß katholischer Leseordnung ist in Ostersonntag-Gottesdiensten die Erzählung nach Johannes, dem jüngsten Evangelium, zu hören; evangelisch-lutherischer Leseordnung zufolge ist diesmal die Botschaft vom leeren Grab, wie sie sich im ältesten Evangelium findet, vorgesehen. Das Markusevangelium wurde um 70 n.Chr. verfasst – die Bischöfin der evangelischen Kirche A.B. in Österreich, Cornelia Richter, deutet für „Lebenskunst“ die Passage. Aus und in der Liebe leben und überleben wir – Der Meister, Margarita und Ostern Um Deutungen rund um Jesus von Nazareth geht es besonders auch in Bulgakows Roman „Der Meister und Margarita“, ein Aufsehen erregendes Werk der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Margarita ist die russische Form von Margarethe. Margarethe ist Gretchen. Ihre Frage an Faust „Wie hältst du’s mit der Religion?“ zieht sich wie ein im wahrsten Sinn „roter“ Faden durch den Roman des russischen und sowjetischen Schriftstellers und Arztes Michail Bulgakow. Es ist ein Werk durch Zeit und Raum, über Zeit und Raum, in Zeit und Raum hinein. Neben dem Moskau der 1930er Jahre und dem Jerusalem des 33-jährigen Jeshua ben Nasri, besser bekannt als Jesus von Nazareth, erkennt der Psycho- und Logotherapeut Thomas Köhler eine dritte, jenseitige Handlungsebene: an der Moskauer Psychiatrie in der Behandlung schizophrener Menschen. Deren zersplitternde bzw. zersplitterte Welt erscheint ihm als Brücke einerseits nach Jerusalem und anderseits ins Ewige, wie es der Meister und Margarita repräsentieren. Alle Re-präsentanz wird so zu Re-ligio und Religion, meint Thomas Köhler. Wie halten es gegenwärtige Menschen mit solcher? Dazu stellt sich – nicht nur im Roman – die vorösterliche Pilatus-Anfrage „Was ist Wahrheit?“. Die Antwort des Lesers, Autors und Therapeuten: Es ist die Liebe im Diesseits als Ansatz und Anspruch und im Jenseits ewiglich: „Aus und in der Liebe leben und überleben wir, aus der Liebe werden wir meisterlich, in der Liebe sind wir ewiglich.“ Neues vom Menschen aus Nazareth – Der historische Jesus und seine Botschaft Erste Zeugnisse über Jesus aus Nazareth finden sich vor allem im Neuen Testament der Bibel, verfasst wenige Jahrzehnte nach seinem Tod; aber es gibt auch antike außerbiblische Quellen: Mitte Dreißig dürfte er geworden sein, der v.a. im Norden des heutigen Israel, in Galiläa, wirkende Zimmermannsohn und tiefgläubige Jude. Das sicherste Datum der Biografie von Jesus ist sein Tod am Kreuz in Jerusalem, Judäa, unter dem Präfekten der römischen Besatzungsmacht Pontius Pilatus. Dieser Kreuzestod lässt sich ziemlich genau auf den 14. oder 15. Nisan, so der jüdische Mondkalender, also auf den 7./8. April des Jahres 30 oder 33 n. Chr. datieren. Jesus wurde als „König der Juden“ hingerichtet, weil man ihn als einen politischen Aufrührer hinstellte, der er höchstwahrscheinlich nicht war. Als einigermaßen gesichert gilt, dass der Beginn seines öffentlichen Wirkens mit der Taufe im Jordan durch seinen Vorläufer, den jüdischen Bußprediger Johannes, begonnen hat. Das zentrale Thema der Verkündigung von Jesus war das „Reich Gottes“, eine Welt ohne Unrecht und Leiden. Der Anspruch, den er mit seiner Botschaft erhob, ist ihm zum Vorwurf gemacht worden, und er ist in der Hoffnung auf Auferstehung gestorben. Nina Goldmann hat sich auf die Spuren seines Lebens davor begeben und neue Forschungen zu Rate gezogen. Wer war der später als Christus, als Messias, verehrte Jesus von Nazareth, wie seine Lebensweise? Neues über den Mann aus Nazareth, sein Umfeld und die Menschen, zu denen er gesprochen hat.Erinnern findet nicht nur rückwärtsgewandt statt – Irene Aue-Ben-David und das Jüdische Museum HohenemsNicht von ungefähr sind oft das Ostern der Westkirche und immer das der Ostkirche in terminlicher Nähe zum jüdischen Pessachfest. Hat doch – laut biblischer Überlieferung – Jesus von Nazareth kurz vor Tod und Auferstehung mit seinen Anhängern Pessach (hebräisch) bzw. Pascha (aramäisch) gefeiert. Heuer wird Pessach vom Abend des 1. April bis zum 9. April begangen. Wie Ostern ist es ein Hoffnungsfest – und ein Fest, das an die Befreiung des Volkes Israel aus der Knechtschaft erinnert. Doch Erinnern finde nicht nur rückwärtsgewandt statt, es gehe auch darum, einen Auftrag für die Zukunft abzuleiten. Das sagt die neue Direktorin des Jüdischen Museums Hohenems, Irene Aue-Ben-David – nicht zuletzt angesichts eines Pessachfestes in kriegerischen Zeiten. Ein akustisches Porträt der 1972 im deutschen Hildesheim geborenen Historikerin und nunmehrigen Museumsleiterin in Vorarlberg von Eva Maria Kaiser und Lisa Ganglbaur.

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