Ambiente – von der Kunst des Reisens Brüssel, Luxemburg, Straßburg
So, 05.04. | 10:05-11:00 | Ö1
Eine Dolmetscherin, die für das Europäische Parlament in Brüssel und Straßburg arbeitet, ein Richter, der im Europäischen Gerichtshof in Luxemburg tätig ist, und die Kanzlerin des Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte in Straßburg – sie alle verbindet die Leidenschaft, sich für das Projekt Europa einzusetzen. In Brüssel, Luxemburg und Straßburg befinden sich große europäische Institutionen, die mit dem Ziel gegründet wurden, nach 1945, nach den verheerenden Weltkriegen ein dauerhaft friedliches Zusammenleben der Staaten und Völker auf dem Kontinent zu verwirklichen. Diese Institutionen haben nicht nur die einzelnen Mitgliedsstaaten über Jahrzehnte geprägt, die weithin sichtbaren Bürokomplexe in den europäischen Vierteln haben das architektonische Erscheinungsbild der drei Städte maßgeblich verändert. Eine Ambiente-Reise, die hinter die Kulissen der Europäischen Union blickt und Schauplätze erkundet, an welchen Europa-Politik gemacht wird.Damit der Austausch zwischen den VertreterInnen etwa der 27 Mitgliedsstaaten der Europäischen Union auch in offiziellen Plenarsitzungen reibungslos über die Bühne geht, beschäftigt das Europäische Parlament mehrere hundert Dolmetscherinnen und Dolmetscher. Die Dolmetschdienste der Europäischen Union sind weltweit die größten Arbeitgeber für diesen Berufszweig. Eine von ihnen ist Britta Margareta Walch, die zwischen Brüssel und Straßburg pendelt. „Man muss sich fachlich weiterbilden und auf kulturelle Gegebenheiten in den Mitgliedsstaaten eingestellt sein. Darauf wird gerne Bezug genommen," erzählt sie im Interview mit einer österreichischen Tageszeitung. In Luxemburg sprechen die meisten EinwohnerInnen zwei bis vier Sprachen. Menschen aus nahezu 170 Nationen sind hier ansässig. Ausdruck des weltoffenen Flairs ist der Kirchberg auf einem Plateau hoch über der Stadt, auf dem sich zahlreiche europäische Organisationen befinden. Hier erzählt Richter Gerhard Hesse von der herausfordernden Arbeit im Gerichtshof der Europäischen Union. Und die luxemburgische Autorin Elise Schmit führt zu einem ihrer Lieblingsorte und beschreibt, wie die sprachliche Vielfalt ihr Leben geprägt hat. Für Sylvain Schirmann, Historiker und ehemaliger Direktor des Instituts für Politikwissenschaften in Straßburg (Sciences Po Strasbourg), ist die EU kein statisches Gebilde, sondern ein kontinuierlicher Prozess von Verhandlung, Kompromiss und institutionellem Aufbau. Das erzählt er bei einem Besuch des EU-Parlaments in Straßburg."Als Leuchtturm der Hoffnung“ wird der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte bezeichnet. Und Marialena Tsirli, die Kanzlerin des Gerichtshofes bestätigt: „Viele der Dinge, die wir heute in unserem Alltag als selbstverständlich ansehen, kommen uns zugute, weil es irgendwann einmal ein Urteil des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte gab. So ist es heute beispielsweise nicht mehr erlaubt, das Kind in der Schule zu schlagen, man ist nicht verpflichtet, Sex mit seinem Ehepartner zu haben, wenn man das nicht will, man hat das Recht auf einen Anwalt ab dem Moment der Festnahme, oder man kann eine Entschädigung erhalten, wenn der Staat ohne Grund Eigentum beschlagnahmt. All diese Dinge haben ihren Hintergrund in einem Urteil des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte.“ Seit 2021 werden zufällig geloste Bürgerversammlungen auch in der Europäischen Union aktiv genutzt. Nun, von September 2025 bis März 2026 kommen 100 junge Menschen aus der gesamten Europäischen Union in Brüssel zusammen, um über den Rückgang wildlebender Bestäuber-Insekten zu beraten und zu diesem Thema Handlungsempfehlungen für die EU-Institutionen zu erarbeiten. Von dieser besonderen Erfahrung erzählen die jungen EuropäerInnen.
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