Pasticcio
Mo, 06.04. | 9:05-9:55 | Ö1
Sentimentalität beginnt erst dort, wo Gefühl zur Absicht wird, wo Musik nicht mehr empfindet, sondern auf Empfindsamkeit hin inszeniert wird. Gerade die große Musik rührt uns tief; die sentimentale Musik will oft vor allem rühren. Wobei auffällt, dass es oft nicht die Werke selbst sind, die Sentimentalität vermitteln, sondern deren Verkitschung. Die „Mondscheinsonate“ oder Mahlers Adagietto aus der Fünften Symphonie mögen hier als Beispiel gelten. Letzteres ist ein Stück, das durch zu langsame Tempi, durch parfümierte Streicherklänge und eine rührselige Hintergrundgeschichte ganz leicht sentimental werden kann. So wird es rasch zum Soundtrack fürs liebe Selbstmitleid.
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