Das Ö1 Konzert live Antrittskonzert Markus Poschner

Do, 01.10.  |  19:30-21:55  |  Ö1
ORF Radio-Symphonieorchester Wien, Dirigent: Markus Poschner; Giorgi Gigashvili, Klavier. Hannah Kendall: O flower of fire; Maurice Ravel: Konzert für Klavier und Orchester Nr. 1 G-Dur; Igor Strawinsky: Le sacre du printemps (Fassung 1947) (Übertragung aus dem Großen Konzerthaussaal Wien in 5.1 Surround Sound)

Ein bisschen seltsam ist es ja schon: Da schreibt der Pianist und Komponist Maurice Ravel im Lauf seines Lebens einige der bedeutendsten und virtuosesten Werke für Klavier solo, aber bis weit nach seinem 50. Geburtstag kein einziges Klavierkonzert. 1929 sollte sich das ändern: Kurz, nachdem er die Arbeiten an seinem ersten Klavierkonzert, jenem in G-Dur, aufgenommen hat, trudelt ein prestigeträchtiger Auftrag ein. Der Pianist Paul Wittgenstein, der im Ersten Weltkrieg seinen rechten Arm verloren hat, bestellt ein Klavierkonzert für die linke Hand. Von nun an arbeitet Ravel an beiden Klavierkonzerten parallel, schließt aber das heroisch-düstere Auftragswerk als erstes ab. Das „fröhliche und brillante" Konzert in GDur vollendet er 1931."Im Geiste der Konzerte Mozarts und Saint-Saens’“ will Ravel dieses Klavierkonzert verstanden wissen. Zwei unterschiedliche Vorbilder, die aber zu seinem musikalischen Denken passen: Wie in einer Collage stellt er musikalische Eindrücke und Stile nebeneinander und verblendet sie mit changierenden Harmonien und pulsierenden Rhythmen. Im angeregten Dialog zwischen Klavier und Orchester schöpft Ravel aus dem Farbreichtum der verschiedenen Instrumente und räumt markanten Stimmen immer wieder solistischen Raum ein. Den virtuosen Solopart übernimmt an diesem Abend der junge georgische Pianist Giorgi Gigashvili.Mit einem Peitschenschlag eröffnet Ravel das bunte Treiben des ersten Satzes: Eine fröhlich flirrende baskische Tanzmelodie in der Piccoloflöte erzählt von Ravels spanischen Wurzeln, um nur wenige Takte später von Anklängen an George Gershwins Rhapsody in Blue abgelöst zu werden. Der beständige Wechsel von Tempo, Rhythmus und Stimmung und das Spiel mit Jazzelementen sind typisch für den ersten Satz des Konzerts.Ganz anders im zweiten Satz: Aus einer verträumten, weitschweifigen Solokantilene entwickelt Ravel nach und nach einen musikalischen Strom, der durch das Wechselspiel mit den Orchesterinstrumenten noch an Intensität und Berührungskraft gewinnt. Die mit Leichtigkeit schwebenden, perlenden Klänge lassen den künstlerischen Prozess dahinter nicht ahnen. „Diese fließende Melodie! Wie ich sie Takt für Takt überarbeitet habe! Sie hat mich fast umgebracht!“, schreibt Ravel später.Der dritte Satz greift die Lebendigkeit des ersten Satzes wieder auf und spitzt sie noch weiter zu. Eine kurze zirkusähnliche Bläserfanfare bildet den Startschuss für eine aberwitzige Jagd des Soloinstruments durch den Satz. Während das Orchester das Klavier vor sich hertreibt, rast es in atemberaubendem Tempo auf das Ende des Satzes zu -nur um von den Anfangsakkorden der Bläser gestoppt zu werden: Wie in einem Perpetuum mobile könnte die Jagd am Ende noch einmal von vorn beginnen.Mit dem Klavierkonzert in G-Dur, Igor Strawinskys Le sacre du printemps und Hannah Kendalls O flower of fire stellt Markus Poschner in seinem Antrittskonzert als neuer Chefdirigent des ORF Radio-Symphonieorchesters Wien Rhythmus und Klangfarbe ins Zentrum -und damit auch den Klangreichtum seines Orchesters. Ganz in Ravels Sinn.

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