Martin Grubinger - Zwischen den Welten Deutschland 2018
Di, 17.02. | 0:00-0:50 | BR
2018
"Es ist dieser Moment, den man schwer beschreiben kann, wenn man diese Schwelle überschreitet und nur noch das eigene Herz schlagen hört. Wenn man nichts mehr um sich herum bewusst wahrnimmt, wenn du die Erschöpfung überwindest. Es ist als würde man zwischen den Welten wandeln!" Das sagt Martin Grubinger über jenen Moment auf der Bühne, wenn der Puls auf 180 steigt, und er mit seinem eigenen Ensemble alles gibt. Grubingers Akribie, Perfektion und Talent am Schlagwerk sind unvergleichlich. Seiner musikalischen Überzeugungskraft ist es zu verdanken, dass dieses Instrument - die letzten Jahrhunderte solistisch vernachlässigt - im Zentrum neuer Kompositionen steht. Und Grubinger hat eine solch magnetische Kraft, dass er auch mit zeitgenössischer Musik die Konzertsäle füllt.
Ein "Extrem-Musiker" wird er genannt, der sich selbst und seine Kolleg:innen zum Äußersten treibt. Aber Grubinger hat auch ein rein privates Gesicht: In seiner oberösterreichischen Heimat Neukirchen an der Vöckla zeigt sich Grubinger als nachdenklicher Künstler, dem die vielen Facetten seiner Kunst bewusst sind. Anstrengende weltweite Touren und bewusst gewählte ruhige Phasen wechseln sich ab: Die martialische Urkraft des Hochgebirges, die Schönheit der Natur und ihre verborgenen Mythen sind Basis und Rückzugsort des spirituellen und politischen Künstlers. Familie, Freunde, Musikerkollegen und der beim Dreh bereits 91-jährige Komponist Friedrich Cerha (verst. 2023) kommen zu Wort und zeichnen ein vielseitiges Bild des virtuosen Schlagwerkers.
Im Herbst 2023 hat Martin Grubinger mit 40 Jahren seine Bühnenkarriere beendet. Er ist weiterhin Professor am Salzburger Mozarteum für Schlagwerk - und studiert aus Eigeninteresse Geschichte.
Regie: Victor Grandits
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