Before Midnight Von Bella Ciao bis Streets Of Minneapolis
Di, 31.03. | 23:03-0:00 | Ö1
Ein TOPFILM auch Teil drei von Richard Linklaters Filmreihe mit Ethan Hawke und Julie Delpy – was wurde aus dem Paar, das sich in Teil eins in Wien kennen gerlernt hat und in Teil zwei in Paris wieder gefunden hat? Es ist neun Jahre später – und die beiden sind Eltern von Zwillingen …
Wie vertragen sich all die verschiedenen Musiken in einem Kopf? Immer werde ich verlegen, wenn mich jemand nach meiner Lieblingsmusik fragt. Ich sage dann: gute Musik. Aber was ist das? Keine Kunst greift so tief in unser Gefühl wie die Musik. Was ich mein Gefühl nenne, ist geworden durch meine Biografie, und die ist das Besondere schlechthin. Kein Leben ist wie das eines anderen. Eine Liebe im Frühling, wenn der Föhn bläst, und zufällig höre ich im Radio einen Song, und schon ist er mein Lieblingssong, vielleicht ein Leben lang. Ein anderer sagt: Der Föhn hat mir alles verdorben, ich könnte gar nicht hinhören vor lauter Kopfschmerzen. Ich hingegen fühle mich wohl bei Föhn. Nein, ohne Musik könnte ich nicht sein, nicht einen Tag. Und ich kann Sid Vicious mit seiner punkigen Verunglimpfung von Frank Sinatras „My Way“ neben dem Bregenzerwälder Dreigesang hören, und die Klänge des einen verbinden sich friedlich in meinem Kopf mit den Klängen des anderen. Der Blues hat mein Leben begleitet wie mein Herzschlag – dem er rhythmisch ja verbunden ist wie keine andere Musik. Diesmal habe ich weitgehend auf diesen Liebling verzichtet. Dann fiel mir ein, dass Musik unter autoritären Fäusten immer in Gefahr ist, verboten zu werden, weil sie das Herz und den Kopf frei macht, und da fiel mir ein, was für ein tapferer Musikant Bruce Springsteen ist, sein Song über den eisigen Winter in Minneapolis muss ich spielen …Sag mir, was du hörst, und ich sag dir, wer du bist. So radikal will ich nicht sein, aber ein bisschen davon schon.
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