TELEKOLLEG Psychologie Pädagogische Psychologie
Sa, 22.08. | 6:30-7:00 | ARD-alpha
Lehren, Lernen und die Gestaltung von Lernumwelten sind wichtige Themen der pädagogischen Psychologie. Sie setzt Erkenntnisse aus Grundlagenfächern wie der Entwicklungspsychologie, der Sozialpsychologie oder der Psychologie des Lernens ein, um anwendungsbezogene pädagogische Fragestellungen beantworten zu können. Ein Bespiel: geschlechtsspezifische Unterschiede beim Lernen.
Betrachtet man die Sprachentwicklung im frühesten Kindesalter, so legen Mädchen ein höheres Tempo vor als Jungen. Sie fangen in der Regel früher an zu sprechen und verfügen bald über einen größeren Wortschatz als ihre männlichen Altersgenossen. Dieser Vorsprung setzt sich in der Schule fort: In Fächern wie Deutsch und Fremdsprachen erzielen Mädchen die besseren Noten.
Betrachtet man die einzelnen Leistungen jedoch genauer, dann zeigt sich, dass Mädchen vor allem in der Rechtschreibung sicherer sind. Hinsichtlich Lesefähigkeit und Textverstehen unterscheiden sich beide Geschlechter in der Schulzeit kaum voneinander. Allerdings gibt es im unteren Leistungsbereich zweieinhalb Mal mehr Jungen, bei denen eine Lese-Rechtschreibschwäche diagnostiziert wird.
Mit Ausnahme der Biologie sind die Jungen den Mädchen in den mathematisch-naturwissenschaftlichen Fähigkeiten geringfügig überlegen – so ist zumindest die Meinung bei Eltern, Lehrkräften und Schülern. Betrachtet man die hierzu vorliegenden Studien im Detail, dann relativiert sich dieses Klischee ein wenig. Im Durchschnitt unterscheiden sich die mathematischen Fähigkeiten von Jungen und Mädchen während der gesamten Schulzeit nämlich nur unbedeutend voneinander. Allerdings finden sich im obersten Leistungsbereich mehr Jungen als Mädchen. Gleiches gilt jedoch auch für den untersten Leistungsbereich. Deutlich überlegen sind die Jungen den Mädchen nur, wenn es um Aufgaben geht, in denen das räumliche Vorstellungsvermögen eine bedeutende Rolle spielt.
Die Psychologie erklärt die bestehenden Geschlechtsunterschiede in den mathematisch-naturwissenschaftlichen Fähigkeiten mit unterschiedlichen Rollenerwartungen. Je konservativer das Elternhaus, desto weniger begabt schätzen Eltern ihre Töchter in diesen Fähigkeiten ein. Auch Lehrkräfte halten häufig die Bedeutsamkeit der mathematisch-naturwissenschaftlichen Fächer bei Mädchen für geringer ein als bei Jungen.
Allerdings nahmen die Geschlechtsunterschiede in diesem Bereich in den vergangenen Jahren ab: ein deutlicher Hinweis, dass es sich nicht um angeborene Unterschiede handelt, sondern tatsächlich um geschlechtsspezifische Rollenerwartungen. In die gleiche Richtung weisen die Ergebnisse von monoedukativem Unterricht. Dabei werden beispielsweise in der Anfangsphase eines Faches die Mädchen getrennt von den Jungen unterrichtet. Dies führt auf beiden Seiten zu einem geringeren Rollendruck und die Aufmerksamkeit kann stärker auf den Unterrichtsstoff gelenkt werden, wodurch ein effizienteres Lernen begünstigt wird.
Diese Art des Unterrichts dient der Verwirklichung eines Ziels, das wir alle anstreben sollten: unabhängig von Geschlecht und Unterrichtsfach die Fähigkeiten eines jeden optimal zur Entfaltung zu bringen.
Moderation: Volker Matthies
in Outlook/iCal importieren