Gefangen im Schweigen - Leben mit selektivem Mutismus
Do, 01.10. | 22:15-23:00 | WDR
Genauso geht es auch Mary. In der Öffentlichkeit spricht sie fast nie. Wenn sie im Restaurant etwas bestellen möchte, muss ihre Schwester für sie sprechen. Zur Schule geht sie schon lange nicht mehr. Doch auch wenn sie stumm bleibt, ist Mary voller Gedanken, Humor, Wut und Träumen. Sie liebt Musik, backt nachts gegen ihre Unruhe an und träumt von einer Ausbildung zur Konditorin. Doch mit dem 18. Geburtstag rückt die Frage näher: Wie selbstständig kann ein Leben sein, wenn jeder Behördengang zur unüberwindbaren Hürde wird?
"Es gibt die falsche Vorstellung, dass diese Kinder oder Jugendliche selbst entscheiden zu schweigen - und es sich damit leicht machen. Dabei wird übersehen, wie viel Angst dahintersteht und wie viel Kraft das alles kostet.", sagt Nias Therapeutin, Ute Cramer.
Für Nia ist die Schule ein Ort der Angst. Nur wenige wissen, warum sie nicht spricht. Gemeinsam mit ihrer Therapeutin wagt sie einen mutigen Schritt: Ihre Klasse soll erfahren, was hinter dem Schweigen steckt.
So unterschiedlich ihre Welten sind - Berlin hier, Dorfleben dort - verbindet Mary und Nia die Stille. Und der Wunsch, sich nicht länger von ihr bestimmen zu lassen.
"Menschen hautnah" begleitet sie über zwei Jahre in ihrem Erwachsenwerden. Mary und Nia zeigen, wie viel Kraft in ihnen steckt, wie fein ihre Wahrnehmung ist, wie groß ihre Sehnsucht nach Selbstbestimmung.
Ein Film über Angst und Aufbruch. Und über die vielleicht wichtigste Frage der Jugend: Wie finde ich meine eigene Stimme?
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