Der radio3 Atelier Talk Die Sendung mit der Kunst und der Wissenschaft
Mo, 05.10. | 0:45-1:45 | RBB
Musik begleitet uns durch den Alltag, löst Erinnerungen aus, kann Menschen verbinden und Räume verändern. Zugleich ist die Art, wie wir Musik hören, heute eine andere: Wir streamen, tragen Kopfhörer, hören personalisierte Playlists und bekommen Musik von Algorithmen empfohlen. Was macht das mit unserem Hören - und mit uns? Der radio3 Ateliertalk bringt Kunst und Wissenschaft zusammen und fragt: Wie verändert uns Musik?
Darüber spricht Moderatorin Siham El-Maimouni mit der Künstlerin Annika Kahrs, dem Künstler und Klangforscher Julius Holtz und der Musik- und Medienkulturwissenschaftlerin Prof. Dr. Anna Schürmer, Ernst von Siemens Musikstiftungsprofessorin für Neue Musik an der Freien Universität Berlin.
Annika Kahrs arbeitet in ihren Performances, Filmen und Sound-Installationen an der Schnittstelle von bildender Kunst und Musik. Ihre Arbeiten waren unter anderem in der Hamburger Kunsthalle und der Bundeskunsthalle Bonn sowie auf der Lyon-Biennale zu sehen. 2025/26 zeigte der Hamburger Bahnhof mit "OFF SCORE" eine umfangreiche Ausstellung ihrer Arbeiten. Unmittelbar vor dem Ateliertalk eröffnet Kahrs ihre neue Sound-Installation "Chorus" in der Berliner Nikolaikirche. Sie verwandelt den historischen Kirchenraum in einen begehbaren Klangkörper. Aus Geräuschen und Stimmen aus verschiedenen Berliner Bezirken entsteht ein vielstimmiger Klangraum der Stadt - und die Frage, was passiert, wenn Menschen einen Ort gemeinsam hören.
Julius Holtz macht aus Wahrnehmung selbst Musik. In seinen Arbeiten verbindet der Künstler und Klangforscher Sensoren, Daten, Bilder und die Beteiligung des Publikums. In "COMMON GROUND" geht es noch einen Schritt weiter: Eine Gehirn-Computer-Schnittstelle erfasst die neuronale Aktivität der Besucher und übersetzt sie in Echtzeit in sich verändernde Klänge und Bilder. Die eigene Gehirnaktivität wird so Teil der Musik, die im Raum entsteht. Holtz untersucht, was passiert, wenn unser Körper selbst zum Ausgangspunkt eines Klanges wird - und wenn daraus ein gemeinsames Hörerlebnis entsteht.
Prof. Dr. Anna Schürmer beschäftigt sich mit Neuer Musik, elektronischer Musik, Klangkunst und Clubkultur. Sie schaut darauf, wie Musik heute entsteht, verbreitet und gehört wird - vom Konzertsaal bis zum Club, von elektronischen Sounds bis zu neuen digitalen Formen. Dabei interessiert sie, wie sich unser Umgang mit Musik verändert, wenn sich auch die technischen Bedingungen des Hörens verändern. Als Ernst von Siemens Musikstiftungsprofessorin für Neue Musik an der Freien Universität Berlin bringt sie diese Perspektiven auf Musik, Medien und Sound zusammen.
Gemeinsam diskutieren sie die Frage: Wie verändert uns Musik? Was passiert beim gemeinsamen Hören - und was beim ganz privaten Hören über Kopfhörer? Wie individuell ist unser Musikgeschmack noch, wenn Streamingdienste und Algorithmen mitentscheiden, was wir als Nächstes hören? Und was geschieht mit den sozialen Räumen der Musik, wenn das Hören immer stärker personalisiert wird?
Ein Ateliertalk über Berlin als Klangraum, über gemeinsames und privates Hören, über Algorithmen und Technologie - und über die Frage, was Musik mit uns macht, wenn wir ihr zuhören.
Moderation: Siham El-Maimouni
in Outlook/iCal importieren