Gedanken für den Tag Marie Rötzer über das Haus
Sa, 26.09. | 6:57-7:00 | Ö1
Der Zauber des Theaters entsteht nicht nur durch die Spieler und Spielerinnen auf der Bühne. Er wächst aus dem Zusammenspiel vieler Hände, die man oft gar nicht sieht. Während die einen spielen, bauen andere Kulissen, steuern das Licht, sorgen für den Klang. Gemeinsam erschaffen sie eine Welt, die größer ist als das einzelne Teil. Der eigentliche Zauber liegt darin, dass all diese Menschen mit ihrem Können einen Raum schaffen, in dem Fantasie glaubwürdig wird und wir als Publikum kurz vergessen, dass sehr viel Arbeit hinter magischen Momenten steckt, damit es sich so echt anfühlt. Dieses „Echt anfühlen“ ist vielleicht der Kern. Für ein paar Stunden glauben wir an Figuren, an Konflikte, an Gefühle, als wären sie gerade jetzt entstanden. Und selbst wenn der Vorhang fällt, bleibt ein Rest davon in unserem Alltag zurück. Aber während wir noch ein Glas Wein trinken und das Gesehene kritisch oder euphorisch auf uns wirken lassen, müssen die Menschen hinter der Bühne noch aufräumen, die Requisiten verstauen, die Bühne für den nächsten Tag vorbereiten. Und besonders wenn etwas schiefgeht, wie ich es gerade bei unserem Theaterfest erlebt habe, spürt man die gemeinsame Kraft von Theater. Im Moment, in dem es gilt, dass alle – von der Inspizienz, dem Bühnenmeister, der Regieassistenz – zusammenhalten, kann erst große Kunst entstehen.Und ab und zu lohnt sich dieser Blick hinter die Kulissen, hinter den Schein des Vordergründigen. Theater ist dann nicht Flucht, sondern Übung im Hinsehen, eine Einladung wahrzunehmen, dass unsere Welt selbst inszeniert ist und damit auch veränderbar und gestaltbar ist. Die Fantasie ist keine Nebensache, sie ist der Proberaum der Veränderung. Und all die verborgenen Berufe im Theater zeigen uns, dass jede große Idee Teamarbeit braucht, Geduld und gemeinsame Hingabe.
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