Sehen statt Hören Fernsehen in Gebärdensprache

Sa, 14.02.  |  7:30-8:00  |  RBB
Untertitel/VT Gebärdensprache Stereo  2025
Die große Mehrheit (90 – 95 %) der gehörlosen Kinder hat hörende Eltern: Eltern, die in der Regel keine Gebärdensprache können und auch über keinerlei Informationen zum Thema "Gehörlosigkeit" verfügen. Von Anfang an herrscht also Sprachlosigkeit zwischen hörenden Eltern und ihrem gehörlosen Kind. Betroffene fordern deshalb: DGS-Sprachförderung von Anfang an.

"Wir haben keine gemeinsame Kommunikation. Sie kann mir nichts von ihrem Tag erzählen, wenn sie aus der Kita kommt. Ich kann ihr die Welt nicht erklären. Fragen, die Kinder stellen (Wie funktioniert das Wetter? Warum regnet es?) kann ich alle nicht beantworten." So bringt Ann-Cathrin Wehmeier die für alle schmerzhafte Situation von damals auf den Punkt.

Ihre Tochter Annabell kam taub zur Welt und wurde auf Anraten der Ärzte sehr früh mit CIs versorgt. Eine Fehlentscheidung, wie sich später herausstellte. Denn Annabell hat keine Hörnerven. Im MRT hätte das bereits vor den Implantationen festgestellt werden können.

Zweieinhalb Jahre hatten Annabells Eltern den ärztlichen Rat befolgt, ihre Tochter lautsprachlich zu fördern. Als eine Gebärdensprachdolmetscherin den Eltern jedoch geraten hat, DGS zu lernen, begannen sie, mit Annabell auch gebärdensprachlich zu kommunizieren. Dann war der Weg schnell klar für die Familie - aber nicht für die Ämter. Den Hausgebärdensprachkurs hat die Familie in einem jahrelangen Rechtsstreit vor Gericht erkämpfen müssen.

Fehlender sprachlicher Input hat Entwicklungsverzögerungen zur Folge. Es fehlt den Kindern zur Einschulung an Basiswissen. Das ist aber nur eine Folge von Sprachdeprivation.

Annabells Mutter versucht auszugleichen und abzufangen, was sie kann. Entscheidend ist für sie jetzt der Hausgebärdensprachkurs, aber auch eine Stärkung der Theory of Mind-Kompetenzen. Leichter wäre es sicherlich gewesen, wenn sie von Beginn an über die Möglichkeiten der Gebärdensprache informiert worden wäre.

Der Bundeselternverband gehörloser Kinder kennt viele solcher Fälle und fordert deshalb eine verpflichtende Beratung für Eltern mit neutralen Informationen zu Laut- und Gebärdensprache, ehe diese sich für einen Weg entscheiden. Eine ganz erhebliche Erleichterung wäre es auch, wenn Familien - wie die von Annabell - die nötige Unterstützung bekämen.

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