Radiogeschichten „Geteiltes Haus“ – Geteilte Betten
Mo, 05.10. | 11:05-11:25 | Ö1
Ein deutsch-tschechisches Dorf im Riesengebirge stellt Alice Horácková ins Zentrum ihres Romans „Geteiltes Haus“, dem Ö1 Buch des Monats Oktober. Die tschechische Schriftstellerin Alice Horácková erfuhr erst spät und nach intensiver Recherche, dass ihr Großvater Arnost zwischen zwei Sprachen, Kulturen und Ideologien aufgewachsen war, von denen er eine vollkommen verdrängt hatte. Als Sohn der Tschechin Zdenka Honcu und des Deutschen Vinzenz Hollmann wuchs Arnost im kleinen deutsch-tschechischen Dorf Benetzko im Riesengebirge – im Sudetenland – auf. Nach dem Einmarsch der Nationalsozialisten blieb er, wie seine Mutter Zdenka, überzeugter Tscheche, nach dem Krieg wechselte er seinen Namen und verdrängte seine deutsche Sprache und Vergangenheit. Der Vater, Vinzenz, und der jüngere Bruder Hanskarl hingegen schlossen sich den Nationalsozialisten an, gingen brutal gegen die jüdische und tschechische Bevölkerung vor und mussten nach dem Krieg auswandern. Dieses Schicksal ihrer zerrissenen Familie stellt Alice Horácková ins Zentrum ihres opulenten Romans „Geteiltes Haus“. Sie schildert die Entwicklungen in dem Dorf Benetzko von der k.-k. Monarchie bis zur Dritten Tschechoslowakischen Republik im Jahr 1948 – von den kleinen Animositäten und Sticheleien Anfang des 20. Jahrhunderts bis zu brutaler Gewalt unter der NS-Herrschaft, von den Duckmäusern und Mitläufern bis zu den beherzten Widerständigen und Querköpfen, wie etwa der Dorflehrer Tomek einer ist.Alice Horácková wurde 1980 geboren und wuchs zum Teil in Benetzko im Riesengebirge auf. Sie war Kulturjournalistin, bevor sie 2014 ihr literarisches Debüt veröffentlichte. „Geteiltes Haus“ ist ihr erster Roman in deutscher Übersetzung, aus dem Tschechischen von Sophia Marzolff. Michou Friesz liest Ausschnitte.
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