#doublecheck – das Ö1 Medienmagazin Wenn im Journalismus Sprache versagt
Do, 12.02. | 18:25-18:55 | Ö1
„Mies und frauenfeindlich“ nennt Journalistin Corinna Milborn die jüngste Boulevard-Berichterstattung über die Femizide, die es auch heuer bereits gegeben hat. Immer noch strotzen Berichte über getötete Frauen vor Voyeurismus, nehmen die Täterperspektive ein und geben den Opfern die Mitschuld an ihrem eigenen Tod. Wissen sie es nicht besser oder ist es doch Kalkül? Milborn fordert einen Schulterschluss auf höchster Ebene und ruft vor allem Männer auf, Verantwortung zu übernehmen – speziell jene, die in Redaktionen sitzen. Auch Frauenministerin Eva Maria Holzleitner hat das Problem erkannt und will einen Leitfaden über die Femizid-Berichterstattung erarbeiten lassen. Ein kleiner Lichtblick: was unverpixelte Opfer-Fotos anbelangt, habe der Boulevard dazugelernt, so der Presserat. Vor den Euphemismen kapituliertFür den deutschen Autor und Medienkritiker Lorenz Meyer, der unter anderem für den BILD-Blog arbeitet, ist die Berichterstattung über Femizide in Österreich wie in Deutschland ein Paradebeispiel für sprachliche Verharmlosung durch Journalisten. Das Problem reiche aber weit darüber hinaus, speziell angeheizt durch die Volten von US-Präsident Donald Trump. Viele Redaktionen würden dessen oft fragwürdige Botschaften übernehmen, statt sie zu übersetzen, was die eigentliche Aufgabe wäre. #doublecheck hat mit Lorenz Meyer über den problematischen Umgang mit Euphemismen in der Berichterstattung gesprochen und darüber, wie das den Nachrichtenzyklus beeinflusst.Von 300 Gigabyte Daten erschlagenEin gigantischer Datensatz von 300 Gigabyte, drei Millionen Seiten – das sind die „Epstein Files“, die das US-Justizministerium auf seine Website gestellt hat. Für jeden zugänglich, wird dank Suchfunktion billiges Name-Dropping ebenso möglich wie Zufallsfunde, die ohne Kontext überhastet veröffentlicht werden. Journalistische Fehlleistungen sind programmiert, wieder zu Lasten der weiblichen Opfer – in dem Fall des Pädokriminellen Jeffrey Epstein und seiner Komplizen. Dazu kommt Desinformation, mit Schnipseln aus dem Datensatz werden auf gewissen Kanälen alte Verschwörungstheorien angeheizt. Investigativ-Journalisten, die Datenberge wie die „Panama Papers“ noch im Kollektiv und in Ruhe auswerten konnten, geraten bei den „Epstein Files“ unter Druck. Die Rede ist von einem „digitalen Heuhaufen“, in dem sich ohne Einsatz von KI-Modellen kaum Zusammenhänge finden lassen.
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