Ferdinand von Schirach - Glauben
Fiktive Geschichte inspiriert von "Wormser Prozessen": Packendes Justiz-Drama "Ferdinand von Schirach - Glauben"
Für die End-Produktion hat Ferdinand von Schirach erstmals auch komplett die Drehbücher geschrieben, sie basiert auf den Wormser Missbrauchsprozessen der 90er Jahre. Alle 25 Angeklagte wurden damals nach 300 Verhandlungstagen freigesprochen. Von Schirach transportiert den vermeintlich größten Justiz-Skandal der BRD mit einer eigenen fiktionalen Geschichte in die heutige Zeit, in der sich öffentliche Debatten zunehmend in die Sozialen Medien verlagert haben.
Mit Peter Kurth und Narges Rashidi in den Hauptrollen, weitere Rollen spielen Sebastian Urzendowsky, Désirée Nosbusch, Katharina Marie Schubert, Julika Jenkins, Michael Pink u.v.m.
Wie kollektive Hysterie und Wut die kritische Vernunft ausschalten und blinde Rachegelüste die Opfer übersehen – zum Inhalt:
Ein Kinderarzt diagnostiziert bei einem Mädchen körperliche Spuren einer Vergewaltigung und bringt damit einen Missbrauchsprozess von bis dato ungekanntem Ausmaß ins Rollen. Kurz nach der Aufnahme der Ermittlungen durch Hauptkommissarin Laubach (Désirée Nosbusch, "Bad Banks") in dem mutmaßlichen Verbrechen, wird in den Sozialen Medien bereits die Forderung nach der Wiedereinführung der "Todesstrafe für Kinderschänder" laut. Der Staatsanwalt Cordelis (Sebastian Urzendowksy, "Babylon Berlin", "Der Turm") erhebt in drei Prozessen Anklage gegen 26 Bewohner der Kleinstadt. Die Männer und Frauen werden beschuldigt, einen Kinderpornografie-Ring betrieben zu haben. Der alkoholkranke Berliner Strafverteidiger Schlesinger (Peter Kurth, "Babylon Berlin", "Die Protokollantin") soll im Auftrag der kriminellen Geldeintreiberin Azra (Narges Rashidi, "Gangs of London", "Spuren des Bösen") einen der Angeklagten im Prozess vertreten. Dabei kämpft Schlesinger nicht nur für seinen Mandanten, sondern auch gegen Falschaussagen, suggestive Befragungsmethoden und die Mühlen der Justiz selbst…
Die Wormser Missbrauchsprozesse – begleitende Dokumentation und mehrteiliger Podcast zum Hintergrund der Serie:
Es war einer der größten Skandale in der bundesdeutschen Rechtsgeschichte. Es war ein Prozess, der über dreieinhalb Jahre dauerte und Leben ruinierte, Familien zerstörte und Eltern ihre Kinder nahm. Es war aber auch ein Prozess, der Richtern, Staatsanwälten und Gutachtern noch heute keine Ruhe lässt. Ein Prozess, der auf unterschiedliche Art alle 25 Angeklagten und ihre Angehörigen zu Opfern machte. Die begleitende Doku zur Serie "Empörung – Der Skandal von Worms" beleuchtet, wie sich öffentliche Empörung und Hetze zur Zeit der Wormser Prozesse in den 90er Jahren für die Betroffenen äußerte und welche zerstörerische Kraft öffentliche Empörung bis heute hat. Wie haben die Justizopfer diese schreckliche Zeit erlebt? Wie geht es ihnen heute? Was sagen Expert:innen zu diesem in der deutschen Geschichte einmaligen Justiz-Skandal? RTL+ hält die bewegend und zugleich spannend erzählte Dokumentation ebenfalls exklusiv ab dem 4.11. zum Streamen abrufbereit. Die Free-TV-Premiere läuft am 8.12. um 22:15 Uhr im Anschluss an die Serie bei VOX.
Der ehemals erfolgreiche, alkoholkranke Berliner Strafverteidiger Dr. Schlesinger soll einer Angeklagten in einem mutmaßlichen Mordfall als Pflichtverteidiger beistehen. Die Frau bestreitet vehement ihre Schuld, doch alles deutet darauf hin, dass sie ihren Mann erschossen hat, um die Prämie seiner Lebensversicherung zu kassieren. Schlesinger erhält einen wichtigen Hinweis zu dem Fall, dessen Bedeutung er jedoch zunächst nicht versteht. In der Kleinstadt Ottern stellt Kinderarzt Dr. Liessen bei der Untersuchung eines Mädchens körperliche Spuren von Misshandlung fest. Als er einen Abstrich bei dem Kind nimmt, glaubt er darauf Spermaspuren zu erkennen. Seine Diagnose ist eindeutig: Das Mädchen wurde sexuell missbraucht.
Berlin. Strafverteidiger Dr. Schlesinger wird durch einen Anruf unsanft aus dem Schlaf gerissen. Der Anwalt gehörte einmal zu den besten Verteidigern der Stadt, inzwischen verbringt er die Nächte auf dem Sofa in seiner vermüllten Kanzlei, verspielt sein Geld in einem zwielichtigen Club und trinkt mehr als ihm guttut. Nun soll er einer Angeklagten in einem mutmaßlichen Mordfall als Pflichtverteidiger beistehen. Die Frau bestreitet vehement ihre Schuld, doch alles deutet darauf hin, dass sie ihren Mann erschossen hat, um die Prämie seiner Lebensversicherung zu kassieren.
Als Schlesinger von einer langen Nacht im Gericht zurückkehrt, erwartet ihn im Treppenhaus eine alte Bekannte: Azra. Die elegant gekleidete Frau arbeitet als Geldeintreiberin für die chinesische Mafia, Schlesinger hat sie vor Jahren in einem Prozess wegen Körperverletzung verteidigt. Inzwischen hat Schlesinger Spielschulden bei der Mafia angehäuft, die er nicht begleichen kann. Azra soll etwas nachhelfen. Sie schlägt den Anwalt im Treppenhaus nieder, er lässt es widerstandslos über sich ergehen. Als Schlesinger in seiner Kanzlei wieder zu sich kommt, hat Azra seine Verletzungen bereits mit Eis versorgt. Die beiden verbindet trotz allem eine Art von Freundschaft. Während Schlesinger bewusstlos war, hat sich Azra die Akten des mutmaßlichen Mordfalls angesehen und gibt einen wichtigen Hinweis, dessen Bedeutung Schlesinger jedoch nicht versteht.
Der verprügelte Schlesinger sieht ein, dass es so mit ihm nicht weitergehen kann. Am nächsten Tag verpfändet er seine Armbanduhr und bezahlt die Schulden bei den Chinesen. Dem freundschaftlichen Rat eines Richters folgend, er solle sich ein Haustier zulegen, kauft er einen Goldfisch. Er räumt seine verwahrloste Kanzlei auf und macht sich an die Arbeit, um die Verteidigung seiner Mandantin vorzubereiten
Hintergrund
Mit "Ferdinand von Schirach - Glauben" transportiert der Bestsellerautor ("Verbrechen", "Der Fall Collini") den Wormser Justizskandal aus den Jahren 1993 bis 1997 mit einer eigenen fiktiven Geschichte in die Gegenwart. Dieser Eklat umfasst drei Strafprozesse vor dem Landgericht Mainz in denen 25 Männer und Frauen aus der Umgebung Worms des massenhaften Kindesmissbrauchs angeklagt waren. Sie wurden beschuldigt, einen gemeinschaftlichen Pornoring betrieben zu haben, der Videos der Kinder fertigte und vertrieb. Nach zwei Jahren und sieben Monaten Untersuchungshaft, mit über 300 Verhandlungstagen, wurden 24 der Angeklagten freigesprochen, eine ältere Dame war in der Haft bereits zuvor verstorben. In der Urteilsbegründung verkündete der Richter unter anderem: "Den Wormser Massenmissbrauch hat es nie gegeben. Bei allen Angeklagten, für die ein langer Leidensweg zu Ende gegangen ist, haben wir uns zu entschuldigen."
Inspiriert durch den Wormser Justizskandal der neunziger Jahre wirft Ferdinand von Schirach ein Licht auf gesellschaftliche Entwicklungen unserer Zeit. Öffentliche Debatten verlagern sich zunehmend in das Internet und die Sozialen Medien – wo Empörung und Hass oft die Auseinandersetzung mit komplexen Themen verhindern. Berechtigte und nachvollziehbare Sorgen, wie die um das Wohl der Kinder, können in aufgeheizten Online-Debatten zu Vorverurteilungen, Pauschalisierungen und blankem Hass führen. In "Ferdinand von Schirach - Glauben" ist es ausgerechnet ein verschuldeter Anwalt, der der öffentlichen Hysterie die kritische Vernunft entgegensetzt.
Mit "Ferdinand von Schirach – Glauben" feiert der ehemalige Strafverteidiger und heutige Schriftsteller eine besondere Premiere. Zum ersten Mal verfasst er ein Drehbuch als alleiniger Autor.
Der Prozess gegen Perez beginnt. Gleich zu Beginn überrascht Schlesinger das Gericht und legt offen, dass der Kinderarzt Dr. Liessen farbenblind ist. Dessen Befunde über sexuellen Missbrauch an Kindern, die sich auch auf gerötete Hautstellen stützen, sind fragwürdig, da Liessen Hautrötungen gar nicht als solche erkennen kann. Darüber hinaus kommt ans Licht, dass das wichtigste Beweisstück im Prozess - der Abstrich des einzigen Kindes, an dem Liessen Spermaspuren erkannt haben will - niemals forensisch untersucht wurde. Die Probe war in der Praxis von Dr. Liessen versehentlich entsorgt worden. Damit ist auch dieser angebliche Beweis vor Gericht wertlos.
Als Schlesinger anschließend KHK Laubach vor Gericht befragt, kommt heraus, dass das Kamera-Objektiv, das bisher als objektiver Beweis für die Existenz eines Kinderpornografie-Rings galt, zur Fotokamera eines Polizeifotografen gehört. Der Polizei ist bei der Sicherung des Beweismittels schlichtweg ein Fehler unterlaufen.
Schließlich wird Ina Reuth in den Zeugenstand gerufen. Schlesinger überrascht das Gericht erneut: Die Kinder können das Wandbild am Kellereingang der Kneipe zwar nicht von der Straße aus gesehen haben - wohl aber von Ina Reuths Balkon. Ina Reuths Wohnung liegt dem Hintereingang von Perez' Kneipe direkt gegenüber.
Schlesinger kann noch weitere Unstimmigkeiten in den Aussagen der Kinder offenlegen, die weder von Reuth noch in dem Gutachten des Sachverständigen bemerkt wurden. Doch er hat den Prozess damit noch nicht gewonnen. Auch wenn es in den Kinderaussagen Unstimmigkeiten gibt, kann nach Ansicht von Richterin Landsberg nicht ausgeschlossen werden, dass der Kern der Aussagen - der Missbrauch selbst - dennoch wahr ist.
Nach Ende des Prozesstags nimmt Azra Schlesinger mit auf einen Hügel am Rande der Stadt, die beiden blicken auf das pittoreske Ottern. Azra fragt Schlesinger, ob er sich sicher sei, dass alle Angeklagten im Otterner Missbrauchsprozess unschuldig seien. Das ist er nicht. Aber: In einer rechtsstaatlichen Demokratie haben sie ein Recht auf Verteidigung.
Regie: Daniel Geronimo Prochaska
Drehbuch: Ferdinand von Schirach
Darsteller:in:
Peter Kurth (Rechtsanwalt Schlesinger)
Narges Rashidi (Azra)
Katharina Marie Schubert (Kinderschützerin Ina Reuth)
Désirée Nosbusch (Kommissarin Laubach)
Julika Jenkins (Richterin Landsberg)
Michael Pink (Angeklagter Ernesto Perez)
Heiner Hardt (Richter Faller)
Special Guest: Falk Rockstroh (Kinderarzt Dr. Liessen)
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