Das Wort zum Sonntag spricht Pfarrer Conrad Krannich, Halle a. d. Saale

Sa, 23.05.  |  23:20-23:25  |  Das Erste
Untertitel/VT Stereo 
Ich wünsche Dir Leben
Lange Wochenenden, viele Feiertage und eine blühende Natur - der Frühling ist ein richtiger Hoffnungsverstärker in herausfordernden Zeiten. Conrad Krannich verrät im Wort zum Sonntag einen ähnlichen Lebensbegleiter, der im Alltag Mut machen kann. Und zwar ganzjährig.

Da liegt was in der Luft. Finden Sie nicht? Inmitten dieses ganzen Welt-Wahnsinns auf einmal ein Hauch Fliederduft und dieses feuchte, erdige Aroma, wenn der Frühlingsregen fällt. Im Mai fühl ich’s immer sehr: dass es irgendwie weitergeht – ganz sicher. Denn es liegt so viel Schönes in der Luft. Und Leben. Brauche ich, wo doch die politische Großwetterlage manchmal so düster ist.
Kein Zufall, dass ausgerechnet im Mai so viele schöne und lebendige Feste stattfinden, an vielen Orten auch genau an diesem Wochenende: Konfirmation zum Beispiel und Firmung, für manche auch Jugendweihe. Bei uns in Halle, da feiern sehr viele junge Menschen mittlerweile die Lebenswende, auch ein christliches Ritual für Jugendliche. Das ist nicht alles das Gleiche, aber jedes Fest sagt auf seine Weise: Es passiert etwas in diesem jungen Leben, und das wollen wir feiern.
Und dann geht’s los in der Kirche: Wie die da vorne stehen, gestern noch schreiend auf’m Arm, heute Schuhgröße 44. Mama schluchzt, und Papa versucht erfolglos, sein Schluchzen zu verbergen. Opa ist so richtig stolz, und ein bisschen traurig ist er, dass Oma das nicht mehr miterlebt. Die kleine Schwester weiß: Dem geht’s doch nur um die Geschenke. – Denkste! Fragen Sie mal die Jugendlichen selbst. Die sagen: Da vorne öffentlich zu dem stehen, was mir wichtig ist – was auch immer das dann ist –, das bedeutet mir was!
Und was auch richtig unter die Haut geht, das ist der Segen, der ihnen da zugesprochen wird. Das sagen die Konfirmanden immer wieder. Wilma, mittlerweile junge Medizinstudentin, erinnert den Segensmoment so: Es war, als bleibt die Zeit kurz stehen. Für einen Augenblick ist egal, was gerade los ist in der Welt, einfach Stille und die Gewissheit, nicht allein zu sein im Leben.
Mich berührt das, und ich merke: Da sind neben Pubertät und großen Gefühlen auch ganz ernste Gedanken.
Die Jugendlichen haben eine genaue Vorstellung davon, wie ihr Leben sein soll. Haben auch schon erfahren, dass nicht immer alles so nach Plan verläuft. Sie spüren die Sorgen ihrer Eltern und auch, was die in ihrer Liebe alles tun und lassen für ihre Kinder.
So stehen sie jetzt da vorne. Wie doch die Zeit vergangen ist, und wieviel Zeit auch noch kommt, keine einfache Zeit. Aber ihre Zeit, ihr Leben. Mit ihren Möglichkeiten und Träumen und Ängsten. Und Gott geht mit. An seinem Segen ist alles gelegen.
Segen heißt: Ich wünsche Dir Leben! Es wird nicht alles gut. Viel liegt vor dir und nicht nur schöne Frühlingstage. Meist kommst du nicht drumherum, aber du kommst da durch. Und du gehst nicht allein. Einer ist vor dir gegangen durch das ganze Leben und durch den ganzen Tod. Da sieht dich jemand und segnet dich und verlässt dich nicht. – Darauf vertraue ich. Und bei jeder Konfirmation fühle ich mich auch ein kleines bisschen mitgesegnet.
Egal, ob Sie an diesem Wochenende etwas zu feiern haben oder nicht: Ich wünsche Ihnen, dass Sie gesegnet und gesehen weitergehen, Ihre großen Kinder, Enkelkinder und auch Sie selbst. An irgendeinem Wendepunkt im Leben stehen wir ja immer. Und da liegt immer auch das in der Luft: Leben und Segen. Bleiben Sie behütet.

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