MDR KULTUR trifft Jonas Seufert Journalist im Investigativ-Team der Transparenz- und / Rechercheplattform FragDenStaat, Comic-Buch, Autor, Leipzig

Sa, 15.08.  |  11:00-12:00  |  MDR Figaro
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Das Comic-Buch "Schattenleben. Menschen ohne Papiere erzählen" von dem Journalisten Jonas Seufert und der Illustratorin Lisa Frühbeis erschien jüngst im Reprodukt Verlag. Über fünf Jahre arbeiteten beide an dem Buch und führten zahlreiche Interviews mit den Menschen, die in dem Comic sichtbar werden. Wie viele Menschen in Deutschland ohne Aufenthalts-Papiere leben und wie dieses Leben aussieht, darüber gibt es bislang kaum eine öffentliche Debatte. Mitte Juni 2026 trat die größte EU-Asylreform seit 1983 in Kraft. In Europa galt Spanien lange als Modell im Umgang mit Migration. Doch dann kamen Ende Juli 2026 bis zu 60.000 Flüchtlinge von Marokko in die spanische Exklave Ceuta. 22 von 27 EU-Mitgliedstaaten forderten kurz darauf eine Dringlichkeitssitzung der Innenminister, auch Deutschland positionierte sich. Doch in den immer schärferen Diskussionen um Migration gehen die Lebensbedingungen der Betroffenen unter. Jeder offizielle Kontakt kann ihre Abschiebung bedeuten. Die Arbeit an dem Buch "Schattenleben. Menschen ohne Papiere erzählen" weckte in Jonas Seufert die Begeisterung am Comic-Journalismus, ein Genre, welches in Frankreich und in den USA etabliert ist, in Deutschland weniger. Der Comic kann überall dorthin, wo Kamera und Mikrofone nicht hinkommen und so konnten die Protagonisten Brienne, Charlotte, Nasir und Dau ihm in langen Gesprächen ihre Geschichten anvertrauen und dennoch anonym bleiben. Die Transfrau Brienne aus Thailand, die dort von ihrer Arbeit als Tierarzthelferin nicht leben konnte, kämpfte sich mutig aus der Zwangsprostitution heraus und erreichte, daß ihre Chefin ins Gefängnis kam. Charlotte aus dem Senegal flüchtete vor ihrem Onkel, der sie vergewaltigt hatte. In Mainz mußte sie Jahre später ihr Kind beinahe auf der Straße zur Welt bringen, da sie keinen Arzt aufsuchen konnte. Nasir, geboren in Somalia und 25 Jahre in Deutschland lebend, hat noch immer keine Aufenthaltspapiere, obwohl er die Pfalz längst sein Zuhause nennt und Dao erlebte auf ihrer Irrfahrt durch Europa, um ihre Eltern daheim finanziell zu unterstützen, neben regelrechter Ausbeutung in der vietnamesischen Community auch große Solidarität.

Jonas Seufert, geboren 1989 in Würzburg, lebt heute in Leipzig. Von 2011 bis 2015 studierte er "Internationale Beziehungen" an der TU Dresden und absolvierte ein Auslandssemester in der Türkei. Anschließend besuchte er bis 2018 die Deutsche Journalistenschule und die Ludwig-Maximilians-Universität in München. 2019 erhielt Jonas Seufert den Grimme Online Award für die Bürgerrecherche zusammen mit Correctiv "Wem gehört Hamburg?". Zahlreiche Preise und Stipendien folgten über die Jahre. 2019 bis 2021 war er Mitbegründer von "Hermes Baby - Gemeinschaft für gute Geschichten". 2020 bis 2022 wirkte Jonas Seufert als Co-Host und Coach für den Knast-Podcast "Zweidrittel FM" und 2024 als Autor für den Dokumentarfilm "The Pickers". Zehn Jahre arbeitete Jonas Seufert zudem als freier Reporter u.a. für DIE ZEIT, Süddeutsche Zeitung, ARD, ZDF, Correctiv und Taz. 2024 hatte er ein Stipendium der Otto-Brenner-Stiftung inne. 2025 war er Journalist in Residence am Max-Planck-Institut für Gesellschaftsforschung Köln. Seit 2025 ist Jonas Seufert Teil des Investigativ-Teams von FragDenStaat. Seine journalistische Arbeit konzentriert sich auf die Themen soziale Ungleichheit, Migration, prekäre Arbeit und globale Lieferketten.

Lisa Frühbeis wurde 1987 in München geboren. Sie studierte Kommunikationsdesign an der Hochschule Augsburg, der Ecole Estienne Paris in Frankreich und der ISIA Urbino in Italien. Lisa Frühbeis ist Alumna der Studienstiftung des deutschen Volkes und Mitbegründerin des Netzwerks "Comic in Bayern". Ihr meistbeachtetes Werk ist "Busengewunder", eine Sammlung feministischer Comicstrips. Dafür erhielt sie 2020 den Max-und-Moritz-Preis in der Kategorie "Bester deutschsprachiger Comic-Strip", sowie den Bayerischen Kunstförderpreis in der Kategorie "Literatur".

Redaktion: Angelika Zapf

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