Sehen statt Hören Fernsehen in Gebärdensprache
Sa, 16.05. | 10:00-10:30 | ARD-alpha
Sehen statt Hören-Moderatorin Anke Klingemann durfte von einer Angehörigen, die ihren Ehemann sieben Jahre lang gepflegt hat und von Expertinnen mehr über diese Krankheit erfahren.
Demenz kann jeden von uns treffen! Es ist keine Frage des Alters, auch wenn die Zahl der Demenzerkrankungen mit dem Alter stetig steigt. Die Diagnose stellt Betroffene und deren Familien vor große Herausforderungen. Sehen statt Hören-Moderatorin Anke Klingemann durfte von einer Angehörigen, die ihren Ehemann sieben Jahre lang gepflegt hat und von Expertinnen mehr über diese Krankheit erfahren.
Wolfgang Müller ist lebenslustig und sportlich, hat einen fantastischen Orientierungssinn. Den Moment, in dem sich alles verändert, verortet seine Frau Ursula Müller an einen Flughafen: Wolfgang weiß plötzlich nicht mehr, wo er ist, auch mit den Flugtickets kann er nichts anfangen.
Mehr als nur den Schlüssel verschusslen
Wir alle verlegen mal das Handy, mal den Schlüssel. In aller Eile lassen wir bestimmte Dinge kurz irgendwo liegen und wissen schon Minuten später nicht mehr, wo. Eine Demenz äußert sich anders. Das Vergessen ist extremer, ungewöhnlicher und lässt sich mindestens schon seit sechs Monaten beobachten, weiß Andrea Huckemeier vom Kompetenzzentrum "Hörschädigung im Alter" in Nordrhein-Westfalen; sie ist spezialisiert auf Demenz.
Viele Erkrankungen haben ein klares Krankheitsbild, so auch die Demenz. Wenn Demenz klar diagnostiziert werden kann, dann ist es auch möglich, gezielt zu behandeln und zu unterstützen. Um eine Demenz jedoch eindeutig diagnostizieren zu können, ist ein Demenztest erforderlich. Solche Tests sind für hörende Personen bereits entwickelt worden. Für gehörlose Menschen ist derzeit ein Demenztest in Gebärdensprache in der Erprobung. Ein absolutes Novum in Deutschland!
Wenn die Pflege zuhause die Kräfte übersteigt
Ursula wollte verhindern, dass ihr Mann ins Pflegeheim muss. Selbst nach einer Operation an ihrer Schulter, hat sie noch nach anderen Möglichkeiten gesucht, doch als Wolfgang öfter aus dem Rollstuhl gefallen ist und auch auf die Toilette gesetzt werden musste, überstieg das Ursulas Kräfte.
Die eigene Demenz, die eines Angehörigen oder die des Partners in der Gehörlosengemeinschaft öffentlich zu machen, davor scheuen viele zurück. Demenz bleibt ein Tabu-Thema. Wieviel möchte man von sich preisgeben, was sagt man besser nicht? Gerade in der Gehörlosenwelt, in der jeder jeden kennt. Das hat auch unsere Arbeit und die Recherche enorm erschwert. Betroffene gibt es zwar, aber nur wenige trauen sich vor die Kamera.
Als Betreuungsassistentin weiß Elisabeth Sen, welche Faktoren eine Demenz begünstigen können und was man präventiv tun kann. "Fit und aktiv bleiben" ist darum ihr Motto. Mit Gedächtnistraining und Gymnastik macht sie gehörlosen Seniorinnen und Senioren mit und ohne Demenz ein regelmäßiges Angebot, um sich auch im Alter geistig und körperlich fit zu halten.
Wolfgang kam also ins Pflegeheim. Doch sein Zustand verschlechterte sich rasant. Bald verweigerte er zu essen und zu trinken. Ursula Müller hat das erste Jahr nach Wolfgangs Tod noch als traumatisch empfunden und viel Zeit gebraucht, um ihre Trauer zu verarbeiten. Geholfen haben ihr dabei ein Kuraufenthalt und Zeit für und mit Freunden.
Moderation: Anke Klingemann
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