Tito Der Mann, der Jugoslawien war
Di, 26.05. | 20:15-21:45 | ARTE
Kultur, 2026
Als Marschall befreite er im Zweiten Weltkrieg Jugoslawien von den deutschen Besatzern. Er bot Josef Stalin die Stirn und wurde Präsident auf Lebenszeit. Josip Broz Tito positionierte sich zwischen den Machtblöcken des Ostens und des Westens. In den 1960er Jahren erlebte das Land einen wirtschaftlichen Aufschwung. Nach seinem Tod brach der Vielvölkerstaat brutal auseinander. Wer war Tito?
Es war einmal ein Land, das es nicht mehr gibt: Jugoslawien. Mehrere Jahrzehnte lang hielt Josip Broz Tito unangefochten die Zügel in der Hand. Bis zu seinem Tod 1980. Er hinterließ ein Machtvakuum, das die kommunistische Partei nicht füllen konnte. Der Staat Jugoslawien zerfiel. Millionen Menschen wurden in den Kriegen vertrieben, Hunderttausende getötet.
Die Dokumentation erzählt neben der Lebensgeschichte Titos auch die Geschichte eines gescheiterten Staatswesens. Historiker, Künstler, ehemalige Partisanenkämpfer begeben sich dafür auf Spurensuche. Sie sind Serben, Kroaten, Bosniaken, Slowenen, überall auf der Welt verstreut. Viele beschäftigt die Frage, wer dieser Mann wirklich war. Ihre persönlichen Erinnerungen und Analysen verschmelzen zu einer Erzählstimme, die mit selten gezeigten Archivmaterial den Weg Titos nachzeichnet. Vom gelernten Schlosser zum kommunistischen Untergrundkämpfer und charismatischen Partisanenführer bis hin zum autokratischen Herrscher des Staates Jugoslawien, den es ohne ihn vermutlich so nie gegeben hätte.
Zu Wort kommen unter anderem der Politikwissenschaftler Dejan Jović, die Performancekünstlerin Marina Abramović sowie der Historiker Jože Pirjevec und die Historikerin Marie-Janine Calic.
Es entsteht das komplexe Bild eines Mannes, der vielen Menschen Hoffnung und Stabilität versprach, der internationale Anerkennung gewann, Jugoslawien zwischen Ost und West positionierte und die Bewegung der Blockfreien Staaten mit ins Leben rief. Zudem legt die Dokumentation die Bruchlinien frei, an denen der jugoslawische Staat später zerbrechen wird.
Regie:
Sasha Djurkovic
Caroline Schaper
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